Freitag, 15. Juli 2016

Für jede Lösung ein Problem | Rezension


 SELBSTMORD – FREUNDSCHAFT – FAMILIENCHAOS – ABSCHIEDSBRIEFE – VAMPIRROMANE – HUMORVOLL 

ERSTER SATZ

„Gib mir bitte mal die kleine Wunderschüssel aus dem Schrank, Lu … Ti … Ru“, sagte meine Mutter.

INHALT

Was wäre, wenn Ihre Familie, Freunde und Bekannte wüssten, was Sie wirklich über sie denken ... Gerri schreibt Abschiedsbriefe an alle, die sie kennt, und sie geht nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit um. Nur dummerweise klappt es dann nicht mit den Schlaftabletten und dem Wodka - und Gerris Leben wird von einem Tag auf den anderen so richtig spannend. Denn es ist nicht einfach, mit seinen Mitmenschen klarzukommen, wenn sie wissen, was man wirklich von ihnen hält!
[Quelle: Bastei Lübbe]

EIGENE MEINUNG

Selbstmord ist keinesfalls ein Thema über das man lachen oder das man ins alberne ziehen sollte. Ebenso sind Depressionen kein Thema, das man lächerlich macht. Beides sind Themen, die man mit einer gewissen Sorgfalt und einem starken Feingefühl anpacken muss und ich bin sehr froh, dass Kerstin Gier in ihrem Roman beweist, dass sie das vereinen kann.

Die Protagonistin Gerda „Gerri“ Thaler hat Selbstmordgedanken und wie der Klappentext schon verrät traut sie sich sogar, einen Selbstmordversuch zu wagen, der jedoch gehörig nach hinten losgeht. Das Problem ist nur, dass Gerri vorher so einige Abschiedsbriefe verschickt hat, die ungeschönte und klare Wahrheiten beinhalten.

Gerri ist total sympathisch. Sie ist Autorin und steht mit beiden Beinen im Leben, bis ihr einfach alles zu viel wird. Einige, die dieses Buch lesen werden vielleicht sagen, dass Gerri gar keinen Grund hat, sich umzubringen, denn es gibt doch Menschen, die viel ärmer dran sind als sie. Doch dafür findet das Buch eine sehr klare Antwort: Unglück ist subjektiv und kann nicht relativiert werden. Jeder ist seines Glückes Schmied und kann ebenso selbst über sein empfundenes Unglück entscheiden und was für manche vielleicht mit einem Achselzucken abgetan werden kann, ist für andere ein Weltuntergang.

Ich muss sagen, dass mir schon bei Gerris Familie alles zu viel geworden wäre. Ihre Mutter und alle anderen weiblichen Personen über 40 hätten locker zu Zeiten von Jane Austen leben können, denn ihnen ist ihr „Ruf“ und ihr Ansehen in der Gesellschaft so viel wichtiger als die Interessen der eigenen Tochter oder gar das Selbstwertgefühl dieser! Gerris Mutter hat mich den ganzen Roman über aufgeregt und auch ihre Tanten und Großtanten sind die reinsten Mrs Bennetts!

Davon abgesehen habe ich auch sehr viel gelacht. Gerris Art mit allem umzugehen und das Leben nach ihrem Selbstmordversuch wieder in die Hand zu nehmen ist sehr humoristisch dargestellt. Ich habe jede Seite mit Gerri mitgefiebert und gehofft, dass sie endlich die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Dass endlich jemand erkennt, was für ein toller Mensch sie ist. Bei diesen lustigen Stellen wird aber keinesfalls über das Thema Selbstmord gelacht, sondern nur über Gerris Talent von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten.

Dieser locker geschriebene Roman soll uns wachrütteln und vielleicht so manchem auch die Augen öffnen. Man kann sich nämlich nicht nur mit Gerri identifizieren, die von einigen Menschen in ihrem Leben unbeachtet bleibt oder diskriminiert wird/wurde, sondern auch mit den „Bösewichten“ dieser Geschichte. Wir sind schließlich alle nur Menschen mit unseren Stärken und Schwächen.

FAZIT

Für jede Lösung ein Problem ist mein erstes Buch von Kerstin Gier und sie konnte mich vollkommen überzeugen. Die Geschichte erzählt auf eine lockere und humorvolle Weise über einen Menschen, der starke Selbstmordgedanken hat und unter selbst diagnostizierten Depressionen leidet (einer heutigen Volkskrankheit), ohne diese Themen dabei lächerlich zu machen. Dies sind und bleiben ernste Themen. Dennoch kann man mit und auch über die Protagonistin lachen, die ein sehr großes Talent dafür besitzt, von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten. Der Roman ist eine tolle Unterhaltung für zwischendurch oder eine längere Zugfahrt, denn die Zeit wird damit wie im Flug vergehen! Ein tolles Extra sind die herausnehmbaren Briefe dieser Ausgabe.

ÜBER DIE AUTORIN

Kerstin Gier hat als mehr oder weniger arbeitslose Diplompädagogin 1995 mit dem Schreiben von Frauenromanen begonnen. Mit Erfolg: Ihr Erstling "Männer und andere Katastrophen" wurde mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt, und auch die nachfolgenden Romane erfreuen sich großer Beliebtheit. "Das unmoralische Sonderangebot" wurde mit der "DeLiA" für den besten deutschsprachigen Liebesroman 2005 ausgezeichnet und "Für jede Lösung ein Problem" wurde ein Bestseller. Alle Romane von Kerstin Gier werden mit enthusiastischen Kritiken von ihren Leserinnen bedacht. Heute lebt Kerstin Gier, Jahrgang 1966, als freie Autorin mit Mann, Sohn, zwei Katzen und drei Hühnern in einem Dorf in der Nähe von Bergisch Gladbach.
[Quelle: Bastei Lübbe]

https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/sonstiges/fuer-jede-loesung-ein-problem/id_3288912Weitere Bücher der Autorin:
Edelstein-Trilogie
Die Braut sagt leider nein
Fisherman’s Friend in meiner Koje
Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner
Ach, wär ich nur zu Hause geblieben
Ehebrecher und andere Unschuldslämmer
und viele mehr…

Kommentare:

  1. Von Kerstin Gier habe ich die Silber und Edelstein Trilogie gelesen. Viele weitere Bücher von ihr stehen auf meiner To Read Liste, da ich Kerstin Giers Schreibstil sehr mag und jedes Mal lachen muss!
    Viele Grüsse
    Julia

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    1. Hi Julia :)
      Die beiden Trilogien stehen auch noch auf meiner Wunschliste *-* Vor allem nach diesem Buch hat mich Frau Gier von sich überzeugen können und nun möchte ich unbedingt noch mehr von ihr lesen :) Die Edelstein Trilogie wurde ja sogar schon verfilmt und auch darauf bin ich sehr gespannt. Allerdings lese ich immer gerne erst die Bücher, bevor ich den Film schaue ^^' Es wird also Zeit, diese Bücher endlich mal in Angriff zu nehmen :D

      Bei 'Für jede Lösung ein Problem' musste ich auch ziemlich oft lachen. :)

      Liebste Grüße
      Ellen

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