Sonntag, 28. August 2016

Der Himmel kann warten | Rezension

KRANKHEIT | ERSTE LIEBE | FAMILIE | VERLUST | DAS LEBEN DANACH UND DAVOR | PUBERTÄT



Ich liebe den Regen, dachte Lilly, als sie aus dem Fenster in den weitläufigen Garten blickte.




Lilly würde alles geben, um noch einmal das Meer zu sehen. Beim Cellospielen eine Gänsehaut zu bekommen, beim Küssen Schmetterlinge im Bauch zu spüren: Sie will jeden Moment genießen. Denn sie weiß, wie kurz das Leben sein kann.
Len hat alles aufgegeben: seine Musik, seine Freunde und vor allem sich selbst. Seit jenem tragischen Tag vor zwei Jahren ist jeder Moment eine Qual. Denn er weiß, wie grausam das Schicksal sein kann. Lilly und Len. Beinahe wären sich nie begegnet. Beinahe hätten sie es nicht gewagt - das Abenteuer ihres Lebens. Aber manchmal muss der Himmel einfach warten …
[Quelle: rowohlt]



Nachdem ich die letzten Seite von Der Himmel kann warten gelesen und das Buch zugeklappt hatte, bin ich in eine gewisse Wortlosigkeit verfallen und sie hält bis jetzt immer noch an. Was sagt man zu einem Buch, das einen sehr berührt hat? Was sagt man zu einem Buch, das einen zum Weinen gebracht hat?

Wie der Klappentext schon vermuten lässt, behandelt diese Geschichte ein sehr schwieriges Thema, das unter die Haut geht, denn Lilly ist krank. Genauer gesagt ist ihr Herz krank und will leider nicht mehr so wie die 17-jährige Lilly es möchte. Ich selbst bin zwar keine 17 mehr, aber noch jung genug, um zu wissen wie es ist, wenn man gerade das Abitur bestanden hat und eigentlich nur die Welt entdecken möchte. Endlich frei sein und all die Zwänge der Schule hinter sich lassen. Doch Lilly sitzt fest, denn ihr Herz ist zu schwach, um auf große Reisen zu gehen oder gar von Zuhause auszuziehen.

Len hingegen hat das ganze Leben noch vor sich und kämpft nicht mit seiner Zukunft, sondern mit der Vergangenheit. Er ist ein Draufgänger, wohnt nicht mehr Zuhause und verdient sein eigenes Geld. Er und Lilly sind also von Grund auf verschieden und doch finden sie über das Internet zueinander. Die Art der beiden miteinander und ihren verschiedenen Geschichten umzugehen hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht. Sie sind erwachsen und dennoch Kind genug, um Abenteuer erleben zu wollen. Vor allem das Abenteuer Leben.

>> es kommt der tag, da zählt nicht mehr
die summe von allem, sondern wie sehr
ich erfüllt bin von liebe und frieden dazu
sei nicht traurig, wir sind ewig ich und du <<
S. 331

Eines Tages nehmen die Beiden allen Mut zusammen und begeben sich auf ein großes Abenteuer. Oft habe ich gar nicht mehr im Hinterkopf gehabt, dass Lilly krank ist, da sie endlich Dinge tat, die ein normales Mädchen in ihrem Alter macht. Doch das Leben und ihre Krankheit haben mich als Leser immer wieder in die Realität geholt. Das gesamte Buch war ein Hin und Her zwischen bangen, hoffen und daran denken, dass das Leben doch meist kein Happy End hat. Es war also ein Auf und Ab der Gefühle. 

Doch die Geschichte dreht sich nicht nur um Lilly und Len, sondern auch um deren Familien. Lens Familie hat mit einem Verlust zu kämpfen und Lillys mit der Krankheit ihrer Tochter. Ich finde es sehr interessant zu erfahren wie Familienmitglieder mit so einer Situation umgehen, denn meist steht man doch nur daneben, kann nichts tun und fühlt sich hilflos. Ich hätte mich nie für eine Seite entscheiden wollen. Lillys Pläne fand ich immer gerechtfertigt, aber auch die Reaktion der Eltern konnte ich immer verstehen.

Das Einzige, was mich an der Geschichte gestört hat, war das zeitweise doch sehr kitschige Verhalten von Len und Lilly. Natürlich ist man sehr romantisch, wenn man verliebt - vor allem frisch verliebt - ist, aber ein paar Dinge hätte ich auch als frisch Verliebte eher peinlich gefunden.  




Der Himmel kann warten behandelt ein sehr emotionsbeladenes Thema, da die Protagonistin unter einer Herzkrankheit leidet. Man erfährt nicht nur wie es Lilly mit dieser Krankheit geht, sondern wie ihr gesamtes Umfeld mit diesem Umstand leben muss. Ich war als Leser in manchen Situationen selbst sehr zwiegespalten und hätte mich nicht für eine Seite (Lilly oder Familienmitglied) entscheiden wollen. Als Len dann eine tragende Rolle in Lillys Leben einnimmt bekommt die Geschichte Fahrt und die Krankheit rückt für einige Augenblicke in den Hintergrund, doch ganz vergessen kann man sie nie. Als dann das Ende immer näher rückte, wurde es mir als Leser immer schwerer ums Herz, da ich nur noch hoffte und bangte, dass das Leben vielleicht doch ein Happy End hat? Ein sehr berührendes und emotionales Buch, das jedem Fan von Das Schicksal ist ein mieser Verräter sicherlich gefallen wird. 




Sofie Cramer stammt aus der Lüneburger Heide, geboren wurde sie 1974 in Soltau. Zum Studium der Germanistik und Politik ging sie zunächst nach Bonn, später nach Hannover. Nach ihrer Zeit als Hörfunk-Redakteurin machte sie sich selbständig. Sie lebt in Hamburg, am Waldrand, arbeitet als freie Drehbuchautorin und entwickelt Film- und Fernsehstoffe. Seit ihrem Überraschungserfolg «SMS für dich» hat sie bereits mehrere Romane unter Pseudonym Sofie Cramer geschrieben.
[Quelle: rowohlt]

Weitere Bücher der Autorin:
SMS für dich
Ein Tag und eine Nacht
All deine Zeilen
Der Himmel über der Heide
Herz an Herz
Was ich dir noch sagen will

Kommentare:

  1. Hallo!
    Ich habe das Buch noch auf den SuB und hoffe, dass ich es bald lesen kann, denn ich habe damals kurz reinlesen können und fand es wirklich gut!
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Hi Martina :)
      Ich war ab der ersten Seite begeistert und mochte es kaum aus der Hand legen. Es lohnt sich also, es bald vom SuB zu befreien.

      Liebste Grüße
      Ellen

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