Sonntag, 21. August 2016

Zur Hölle mit Bridget | Rezension

MOBBING | VÖLLIGE SELBSTÜBERSCHÄTZUNG | ANNA JUDGE | ZWEITE CHANCE



Ich trat das Gaspedal durch.




Was Bridget will, setzt sie durch. Immer. Zu Hause macht sie ihrer Stiefmutter das Leben zur Hölle, in der Schule tanzen alle nach ihrer Pfeife. Bis eine Neue auf die Winchester Prep kommt: Anna Judge – Judge wie Richterin. Und mit Anna ändert sich alles: Die Lehrer fallen nicht mehr auf Bridgets Masche rein, ihr Fan-Club verkleinert sich blitzartig. Als sich eines Tages auch noch ihr Freund Liam abwendet, baut Bridget, total irritiert, einen katastrophalen Unfall! Sie ist nicht tot – aber auch nicht lebendig. Stattdessen ist sie in einer Schattenwelt gefangen, in der ihr Anna Judge zeigt, was für eine Mega-Zicke sie war. Bridget hat genau eine Chance, das zu ändern und ins Leben zurückzukehren. Oder für immer zu gehen.
(Quelle: HarperCollinsGermany)




Ich bin durch Zufall auf dieses Buch aufmerksam geworden und war vom ersten Augenblick an neugierig wegen des Klappentextes, weil es hier mal eine Protagonistin gibt, die eben kein perfektes Mauerblümchen ist, dem alle zu Füßen liegen. Bridget ist viel mehr ein Mädchen mit Ecken und Kanten. Nur leider konnte mich die Geschichte - so spannend sie auch klingen mag - nicht wirklich überzeugen. 

Der erste Punkt, der mir nicht gefallen hat war Bridget. Habe ich es doch eben noch gelobt, dass wir hier eine unkonventionelle Protagonistin haben, die kein schüchternes, von allen angehimmeltes Mädchen ist, so muss ich nun gestehen, dass ich sie überhaupt nicht ausstehen kann. Das liegt keinesfalls an ihrer schon fast boshaften und zickigen Art, sondern daran, dass sie einfach unglaubwürdig ist. Wir alle kennen diese typischen bösen, überzogenen Highschool-Mädchen aus diversen Filmen, aber selbst die finde ich noch realistischer als Bridget. Die Autorin hat bei ihr einfach zu viel gewollt. Bridget ist komplett von sich eingenommen und leider auch nicht die hellste. Dass sie mit ihrem Verhalten überhaupt noch Freunde hat ist ein Wunder.

Aber nun kommt Anna Judge ins Spiel, die einen bedeutungsschwere Namen trägt. Sie soll Bridget aufzeigen, was sie für eine Zicke ist. Ich dachte, Anna wäre einschüchternd, ein Mädchen, dass Bridget endlich in ihre Schranken weist, aber ich finde nicht, dass Anna ihrer Schlüsselrolle gerecht wird, die sie in diesem Buch einnehmen soll. 

Die erste Hälfte des Buches begleiten wir Bridget durch eine kurze Zeitspanne ihres Lebens, in der sie vielen Leuten, die ihr nahe stehen weh tut, was sie aber oft selbst nicht merkt. Manche ihrer Mitmenschen verletzt sie aber bewusst und das so kindisch, dass ich meist nicht glauben konnte, dass sie bald die Schule verlassen soll... In der zweiten Hälfte erlebt Bridget dann alle Situationen nochmals nur aus der Sicht der Person, die sie verletzt hat. Anfangs war das noch ganz interessant, aber es wurde schnell langatmig, da man die Erkenntnisse, die Bridget aus diesen Erfahrungen gewinnt selbst schon hatte. Es war nämlich sehr vorausschaubar, was Bridget aus den jeweiligen Situationen lernen soll. Der Leser ist schließlich nicht so verblendet wie sie...




Ich habe mir einiges von diesem Buch versprochen, da ich den Klappentext sehr interessant fand. Unter Bridget habe ich mir Protagonistin vorgestellt, die endlich mal aus dem Rahmen fällt. Wir wissen schließlich alle, dass ein Protagonist nicht lieb und heldenhaft sein muss, nur damit man ihn mag. Viel lieber hat man doch auch Anti-Helden, die mal in kein Muster passen und Ecken und Kanten haben. Leider ist das bei Bridget nicht gelungen, da sie zu übertrieben und unrealistisch dargestellt wurde. Anna Judge - Bridgets Richter und Henker - ist ihrer Schlüsselrolle leider nicht gerecht geworden und hat nicht den Platz bekommen, den sie verdient hätte. Die Momente, in denen Bridget endlich etwas lernt und ihr Fehlverhalten begreift, sind für den Leser viel mehr Momente, in denen man mit den Augen rollt, weil man sich denkt, dass das doch völlig klar war. Zur Hölle mit Bridget ist also leider ein Buch, das mich völlig enttäuscht hat...




Geboren als Winterkind im Dezember 1989, schloss Paige Harbison 22 Jahre später ihr Studium an der Towson University in Baltimore ab. Seit 2009 schreibt sie, mittlerweile ist ihr dritter Roman bei Harlequin Teen erschienen. Spannend: Die Filmrechte für "Zur Hölle mit Bridget" liegen in Hollywood. Paige Harbison lebt im sonnigen Florida.
(Quelle: HarperCollinsGermany)

Weitere Bücher der Autorin:
Schatten über Manderley
New Girl

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