Samstag, 3. September 2016

Black Rabbit Hall | Rezension

ENGLAND | FAMILIENGEHEIMNISSE | 1969 | SOMMER | EIN ALTES HERRENHAUS | LIEBE



Auf dem Klippenvorsprung fühle ich mich sicher, jedenfalls sicherer als im Haus.




Amber Alton weiß, dass die Stunden auf Black Rabbit Hall, dem Sommersitz ihrer Familie, anders vergehen, ihren eigenen Takt haben. Es ist ruhig und idyllisch. Bis zu einem stürmischen Abend 1968. Vereint durch eine unfassbare Tragödie, müssen sich die vier Alton-Geschwister mehr denn je aufeinander verlassen. Doch schon bald wird diese Verbundenheit auf eine harte Probe gestellt. 

Jahrzehnte später fahren Lorna Smith und ihr Verlobter Jon auf der Suche nach einem Ort für ihre Hochzeitsfeier durch die wilde Landschaft Cornwalls – und stoßen auf ein altes, leicht verfallenes, aber wunderschönes Haus. Ein Haus, das Lorna nach und nach seine schönsten Geschichten und traurigsten Momente verrät ...
[Quelle: Verlagsguppe Random House]



Black Rabbit Hall hat es mir gleich von Anfang an angetan. Das wunderschöne Cover, der geheimnisvolle Inhalt und dann spielt es auch noch im England der 1960er. Ich musste es also schnellstmöglich haben, am besten noch am Erscheinungsdatum. Doch als dann die ersten Rezensionen auftauchten und ich sie immer mal wieder überflog wurde mir ein wenig flau im Magen, denn es gab nicht unbedingt Begeisterungsstürme. Zum Glück sind Geschmäcker so verschieden. Ich habe Black Rabbit Hall nämlich sehr genossen.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal schauen wir durch Lornas Augen, die mit ihrem Verlobten einen Ort zum Heiraten sucht und dann noch durch Ambers, deren Familie Black Rabbit Hall 1969 gehört. Da Lorna Jahre nachdem Ambers Familie auf Black Rabbit Hall die Ferien verbracht hat, auf das Herrenhaus aufmerksam wird, spielt die Geschichte in zwei Zeitepochen, was es für mich noch interessanter gemacht hat. Dinge, die Amber erlebt hat und die der Leser somit schon weiß, sind für Lorna noch Geheimnisse und genauso stößt Lorna auf Dinge, die Amber noch nicht wissen kann. Umso spannender war es dann zu erfahren, wie und wann diese Sachen in Ambers Leben eintreten werden.

Dann gibt es jedoch wiederum Dinge, die wohl niemand geahnt hätte und die mich als Leser dann vor allem zum Ende hin fast vom Stuhl fallen ließen. 

>> Ein eischaumartig dichter Nebel schiebt sich über die Hecken, wirbelt in den Scheinwerferkegeln. Aber so wie lebhafte Träume die sauberen Ränder der wachen Stunden ausfransen können, so verweilt Black Rabbit Hall bei Lorna nach dieser Nacht und in den folgenden Tagen: der Geruch nach Bienenwachs, das Summen des Globusses, der salzige, köstliche Geschmack der Vergangenheit. << [S. 102]

Die Atmosphäre in dem Buch habe ich oft als dunkel und teilweise auch beklemmend empfunden, obwohl es eigentlich hauptsächlich im Sommer spielen soll und man mit dieser Jahreszeit so etwas nicht verbindet. Dennoch ist Black Rabbit Hall für mich kein Herrenhaus gewesen, das mich an Landadel oder etwas anderes Glamouröses denken lässt. Es ist alt, dunkel und hat viele Geheimnisse. 

Die Handlung finde ich genauso spannend wie die Perspektivwechsel zwischen Lorna und Amber. Es gibt immer wieder Überraschungen und ich hab es nie als vorhersehbar empfunden. Ich war schockiert, berührt, wütend und wollte das Buch so gut wie gar nicht aus der Hand legen. Ebenfalls finde ich sehr interessant wie die damaligen gesellschaftlichen Zwänge dargestellt wurden unter denen nicht nur Frauen, sondern auch Männer leben mussten. Ohne die wäre in diesem Buch wohl so einiges anders verlaufen. 




Black Rabbit Hall hat einige nicht sehr begeisterte Rezensionen abbekommen, was mir so einige Male die Lust an diesem Buch genommen hat. Als ich es dann aber begonnen hatte zu lesen, war ich mehr als überrascht, denn mir hat es überaus gut gefallen. Dies liegt nicht nur an dem wunderschönen Cover und dem spannend gestalteten Inhalt, sondern auch an der Art wie Eve Chase über das England in den 1969ern schreibt. Es ist interessant in die damalige Zeit einzutauchen mit all ihren gesellschaftlichen Zwängen und eine Familie dabei zu begleiten, wie sie mit einem harten Schicksalsschlag umgeht. Ich mochte Black Rabbit Hall kaum aus der Hand legen und war von dem Ende sehr überrascht. Als all die Handlungsstränge, die vorher noch parallel zueinander liefen plötzlich zu einem verschmelzen wird es besonders interessant und man kommt aus dem Mitfiebern gar nicht mehr raus. 




Eve Chase wollte schon immer über Familien schreiben – solche, die fast untergehen aber irgendwie doch überleben – und über große, alte Häuser, in denen Familiengeheimnisse und nicht erzählte Geschichten in den bröckelnden Steinmauern weiterleben. Black Rabbit Hall ist so eine Geschichte. 
Eve Chase ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Oxfordshire.
[Quelle: Verlagsgruppe Random House]



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