Sonntag, 2. Oktober 2016

Nacht im Central Park | Rezension

PARIS - VERWIRRUNG - ERMITTLUNGEN - MORDE - NEW YORK - KRANKHEIT - PAGETURNER



Zuerst der starke, schneidende Wind, der über das Gesicht streicht.




Alice und Gabriel wachen aneinandergefesselt auf einer Parkbank auf und haben keine Ahnung, wie sie in diese Situation geraten sind. Zumal sie sich nicht einmal kennen. In der Nacht zuvor ist Alice mit Freundinnen auf den Champs-Elysées ausgegangen, Gabriel hat in einem Club in Dublin Klavier gespielt. Wie konnten sie in nur so kurzer Zeit nach Amerika gelangen? Wurden sie mit einem Privatjet entführt? Von wem stammen die Blutflecken auf Alice' T-Shirt? Warum trägt sie eine fremde Waffe, in der eine Kugel fehlt? Alice und Gabriel bleibt nichts anderes übrig, als gemeinsam herauszufinden, was passiert ist. Ihre Suche führt sie auf die Spur eines Serienmörders, der Alice schon einmal um ein Haar das Leben gekostet hätte und sie nun ein weiteres Mal bedroht. Doch auch Gabriel hat ein Geheimnis ...
[Quelle: Piper]




Diese Geschichte ist so viel mehr, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Meine Gedanken beim Lesen des Klappentextes waren, dass es nach einer netten, spannenden Geschichte klingt, aber nicht mehr und dieses Gefühl blieb die ersten fünfzig Seiten des Buches. Danach entwickelte sich die Geschichte in eine Richtung, die ich niemals erwartet hätte und wurde zu einem wahren Pageturner.

Die Handlung spielt im New York der Gegenwart, während Alice sich auch immer wieder an Dinge erinnert, die ihr vor Jahren in Paris - der Stadt, in der sie eigentlich lebt - widerfahren sind. Durch diese Erinnerungsfetzen versucht man als Leser - der genauso wenig wie die Protagonistin weiß, wie sie in Handschellen auf einer Parkbank gelandet ist - Schlüsse auf die derzeitige Situation zu ziehen. Dadurch kommen einem die verrücktesten Ideen, die die Geschichte allerdings noch zu toppen weiß!

Immer wieder bietet die Geschichte einem neue Wahrheiten an, die man entweder glauben kann oder die vielleicht doch noch leichte Zweifel hinterlassen. Ich war zwischendurch nur noch verwirrt und wusste gar nicht mehr, was und vor allem wem ich in dieser Story noch glauben soll. Da man aber endlich die komplette Wahrheit wissen möchte wird dieses Buch schnell zu einem Pageturner und man mag es gar nicht mehr aus der Hand legen.

>> Es gibt seltene Augenblicke, in denen sich eine Tür öffnet und das Leben einem eine unerwartete Begegnung beschert, mit einem Menschen, der uns ergänzt und vorbehaltlos so akzeptiert, wie man ist; der Verständnis hat für alle Widersprüche, Ängste, Ressentiments, für alle Gefühle von Zorn und auch für den dunklen Strom, der im Kopf des anderen tobt. Und der diesen zu besänftigen weiß. Der einem einen Spiegel vorhält, in den man sich furchtlos betrachten kann. << [S. 97]

Der Schreibstil von Musso hat mir auch gut gefallen, da er flüssig und einfach ist. Das einzige Manko ist jedoch, dass er so viele Straßennamen benutzt, die mich als Leser überhaupt nicht interessieren. Es kam mir vor, als ob er unbedingt zeigen möchte, dass er ortskundig ist. Ich hingegen war noch nie in New York oder Paris und daher sagen mir diese ganzen Straßennamen nichts und sind für mich nur Worte, die manchmal meinen Lesefluss störten.

Ebenso kam ich leider nicht mit Alice klar. Sie war mir von Anfang an nicht sympathisch, weil sie ein sehr schwieriger Charakter ist. Alles was sie will muss gemacht werden. Es geht immer nach ihrer Nase und sie hat auch immer recht. Sie ist kein Teamplayer, sondern macht am liebsten alles auf eigene Faust, was ihr eines Tages zum Verhängnis wurde. Ich konnte auch kein Mitleid mit ihr empfinden, obwohl das manchmal angebracht gewesen wäre, weil sie einfach selbst Schuld ist. Das mag hart klingen, aber lest dieses Buch und ihr werdet verstehen, was ich meine.




Nacht im Central Park ist eine sehr lesenswerte Geschichte, die viel tiefgründiger und durchdachter ist als sie am Anfang scheint. Die Handlung weiß den Leser immer wieder zu überraschen und lässt das Buch dadurch immer spannender werden. Es gibt Stellen, an denen man nicht mehr weiß was und wem man noch glauben soll, aber gerade das hat das Buch für mich so interessant gemacht. Ich mochte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Protagonistin war mir zwar nicht sehr sympathisch, da sie sehr egoistisch und ein wenig zu selbstbewusst ist, aber selbst das kann meine Begeisterung für die Geschichte nicht dämpfen. Man kann kaum mehr sagen als: Lest dieses Buch und lasst euch überraschen. 




Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren und kam bereits im Alter von zehn Jahren mit der Literatur in Berührung, als er einen guten Teil der Ferien in der von seiner Mutter geleiteten Stadtbibliothek verbrachte. Da die USA ihn von klein auf faszinierten, verbrachte er mit 19 Jahren mehrere Monate in New York und New Jersey. Er jobbte als Eisverkäufer und lebte in Wohngemeinschaften mit Menschen aus den verschiedensten Ländern. Mit vielen neuen Romanideen kehrte er nach Frankreich zurück. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, wurde als Lehrer in den Staatsdienst übernommen und unterrichtete mit großer Leidenschaft. Ein schwerer Autounfall brachte ihn letztendlich zum Schreiben. In »Ein Engel im Winter« verarbeitet er eine Nahtoderfahrung – und wird über Nacht zum Bestsellerautor. Seine Romane, eine intensive Mischung aus Thriller und Liebesgeschichte, haben ihn weltweit zum Publikumsliebling gemacht. Weltweit wurden mehr als 22 Millionen Bücher des Autors verkauft, er wurde in 38 Sprachen übersetzt.
[Quelle: Piper]

Weitere Bücher des Autors:
Vielleicht morgen
Vierundzwanzig Stunden
Ein Engel im Winter
Wirst du da sein?
Sieben Jahre später
Nachricht von dir
Weil ich dich liebe
Eine himmlische Begegnung
Lass mich niemals gehen

Kommentare:

  1. Hey,
    ich wollte das Buch eigentlich schon lange lesen, aber ich bin noch nicht so richtig dazu gekommen und ich bin mir auch nicht so sicher, ob es etwas für mich ist, weil ich nicht damit zurecht komme, wenn die Protagonisten nicht sympathisch sind. :/
    Mal sehen. Ich werde mich auf jeden Fall nochmal damit beschäftigen. :)

    Liebst, Lotta

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    1. Hallo Lotta :)

      Alice ist zwar keine Vorzeige-Protagonistin und wahrscheinlich auch keiner der sympathischsten Menschen unter der Sonne, aber die Geschichte, die sie und Gabriel zu erzählen haben ist wirklich spannend. Wenn du dir so unsicher bist, würde es sich wohl lohnen, hier in ein Taschenbuch zu investieren. Sollte es dir nämlich nicht gefallen, könntest du es beruhigt an einen Krimi-Fan verschenken. Für die ist das auf jeden Fall etwas :D Alice ist nämlich die geborene Ermittlerin.

      Liebste Grüße
      Ellen

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